72hours

Man merkt 72 Hours ziemlich schnell an, welchen Film die Macher vermutlich sehr, sehr gerne mögen: Hangover. Eine Gruppe gerät in eine völlig eskalierende Situation, ein Problem führt zum nächsten und alles soll möglichst verrückt, chaotisch und politisch unkorrekt werden. Kann funktionieren. Hat schließlich schon funktioniert.

Das Problem: Man hat bei 72 Hours offenbar vergessen, dass Hangover vor allem verdammt lustig war.

Die Zutaten sind eigentlich alle vorhanden. Schräge Figuren, absurde Situationen, ordentlich Chaos und diese typische „Wie zur Hölle kommen wir da jetzt wieder raus?“-Dramaturgie. Nur wollen die Gags einfach nicht richtig zünden. Vieles wirkt bemüht, manches vorhersehbar und einige Szenen ziehen sich erstaunlich lange für eine Komödie, die eigentlich permanent auf dem Gaspedal stehen möchte.

Dabei ist der Film nicht komplett unsympathisch. Das Tempo stimmt über weite Strecken, die Darsteller werfen sich engagiert ins Chaos und gelegentlich erwischt dich tatsächlich ein guter Gag. Für einen anspruchslosen Netflix-Abend kann man das durchaus anschauen – nur solltest du keinen neuen Comedy-Klassiker erwarten.

Besonders deutlich wird das Problem im Vergleich mit Hangover: Dort entstanden die besten Witze aus den Charakteren und deren völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten. 72 Hours dreht das Prinzip häufig um. Erst kommt die verrückte Situation, dann müssen sich die Figuren irgendwie passend dazu verhalten. Das wirkt konstruiert und nimmt dem Chaos ausgerechnet jene Spontaneität, die es eigentlich bräuchte.

Und dann kommt das Ende.

Gefühlt schaut jemand auf die Uhr und ruft: „Leute, wir müssen fertig werden!“

Die Handlung wird ziemlich abrupt zusammengeklappt, einige Entwicklungen wirken wenig logisch und plötzlich laufen die Credits. Nach all dem aufgebauten Chaos hätte man zumindest ein Finale erwartet, das die verschiedenen Fäden clever zusammenführt. Stattdessen bekommt man eher den erzählerischen Notausgang.

Fazit

72 Hours möchte unbedingt das nächste Hangover sein, besitzt aber weder dessen komödiantisches Timing noch dessen erinnerungswürdige Figuren. Ein paar nette Momente und das grundsätzlich flotte Konzept verhindern den Totalausfall, aber wenn du eine Komödie drehst und der Zuschauer irgendwann merkt, dass er schon länger nicht mehr gelacht hat, hast du ein Problem.

Und das abrupte, ziemlich unlogische Ende macht die Sache leider auch nicht besser.

72hours